Mein Tesla Model 3: von der Probefahrt bis zur Abholung

Im März bestellt, am 16. Mai abgeholt. Zwischen Probefahrt in Erfurt und Übergabe in Teltow: schwankende Termine, ein Forum, das jedes Schiff trackt, und am Ende ein Auto, das mich überrascht hat.

18.05.2026

Probefahrt in Erfurt

Bevor ich überhaupt bestellt habe, wollte ich das Auto natürlich erst einmal selbst gefahren haben. Den Termin habe ich online gebucht, anschließend musste ich meinen Führerschein in der App hochladen. Ein paar Tage später hat sich ein Tesla Mitarbeiter telefonisch gemeldet und mit mir die Details besprochen, unter anderem welches Modell ich überhaupt fahren möchte.

Am 14. März war es dann so weit. Vor Ort in Erfurt ging alles erstaunlich schnell. Die Mitarbeiterin hat das Auto in der App freigeschaltet, danach konnte ich mein Smartphone per Bluetooth als Schlüssel koppeln, einsteigen und ein kurzes Tutorial auf dem großen Bildschirm durchklicken. Spiegel und Sitze einstellen, ein paar grundlegende Bedienelemente erklärt bekommen, und schon ging es los.

Zwei Stunden Zeit hatte ich, was locker für ein Stück Autobahn und eine ausgedehnte Runde durch Weimar und Erfurt gereicht hat. Alternativ wäre Leipzig in Frage gekommen, dort kann man die Probefahrt sogar komplett ohne Tesla Mitarbeiter machen. In der Tesla App sieht man auf einer Karte den genauen Standort des Probefahrzeugs und kann es per Knopfdruck hupen lassen, damit man es auf dem Hof leichter findet. Die Freischaltung passiert automatisch über die App, gekoppelt wird das Smartphone wie sonst auch per Bluetooth.

Bestellung und Wartezeit

Überzeugt von der Probefahrt habe ich zwei Tage später, am 16. März, ein Model 3 Long Range RWD bestellt. Die VIN lag im 827er Bereich, der ursprüngliche Liefertermin war zwischen dem 9. und 16. Mai angesetzt. Wenige Wochen später kam die erste Verschiebung auf den 27. Mai bis 3. Juni, später wurde dann wieder nach vorn auf den 21. bis 28. Mai korrigiert. Kurz darauf hat sich der Delivery Advisor per SMS gemeldet: Das Fahrzeug treffe am 13. Mai in Teltow ein, er wolle einen Abholtermin ausmachen.

Klingt entspannt, war es aber nicht ganz. Ich wohne in Thüringen, also über 250 km vom Auslieferungszentrum entfernt. Zweimal hinfahren ist da keine Option. Und dass der Wagen am 13.05. wirklich schon vor Ort steht, wenn das Schiff erst um den 12.05. herum in Zeebrugge anlegt, kam mir reichlich sportlich vor.

Verunsichert hat mich zusätzlich der Zulassungstermin, der bereits auf den 11. Mai gelegt war. Eigentlich versucht man bei Tesla, die Zulassung so nah wie möglich an die Abholung zu legen. In der Praxis können dazwischen aber durchaus mehrere Wochen liegen, je nachdem wann Tesla die nötigen Papiere bereitstellt und welche Termine das örtliche Zulassungsamt überhaupt frei hat. Wenn man das vorher nicht weiß, fragt man sich erst einmal, ob das Auto wirklich schon zugelassen sein sollte, obwohl man es noch gar nicht in der Hand hat.

Visuell zusammengefasst sah der ganze Ablauf so aus:

Das Forum

Die Wartezeit war erstaunlich unterhaltsam, hauptsächlich wegen eines Tesla Forums, dem TFF Forum. Dort wird im Detail getrackt, welche VIN auf welchem Schiff liegt, und es kommen täglich Updates zur aktuellen Position der Frachter und zur voraussichtlichen Ankunft in Europa. Wer noch nie zugesehen hat, wie eine Community aus Schiffspositionen, Hafenfahrplänen und VIN-Listen eine eigene kleine Logistikabteilung baut, dem sei das wärmstens empfohlen. Es nimmt dem abstrakten "Wir melden uns" das Mysterium und macht das Warten greifbar.

Die Abholung

Tesla Model 3 bei der Abholung

Am 16. Mai war es dann so weit. Wir waren eine dreiviertel Stunde zu früh am Auslieferungszentrum und kamen nach gerade einmal fünf Minuten an die Reihe. Der Mitarbeiter hat sich Mühe gegeben und das Fahrzeug ordentlich erklärt. Ein paar Missverständnisse rund um Handyschlüssel und Tesla Account ließen sich vor Ort allerdings nicht klären, das habe ich später dann selbst hinbekommen.

Ärgerlich war, dass eine der beiden Keycards gefehlt hat. Der Mitarbeiter hat nur achselzuckend gemeint, ich solle dafür einfach ein Ticket aufmachen. Die fehlende Karte habe ich dann noch am gleichen Tag aus dem Auto entfernt, damit kein offener Schlüssel im System steht.

Was mich an der Übergabe wirklich gestört hat: Man wird ziemlich schnell zur Unterschrift gedrängt, dass alles am Auto in Ordnung sei, obwohl ich nicht einmal Zeit hatte, wenigstens einmal um das Auto herumzulaufen. Über der Unterschriftzeile steht sinngemäß, dass man das Fahrzeug ohne Schäden erhalten habe, und genau das soll man dann blind bestätigen. Begründet wird das damit, dass man danach ja noch genug Zeit habe, Mängel in der App zu melden. Hier sollte der Delivery Assistant einem wenigstens fünf Minuten Zeit geben, in Ruhe einmal außen rumzugehen, kurz reinzusetzen und dann zu unterschreiben. So wäre der Ablauf für beide Seiten entspannter.

Auf der Motorhaube sind mir zudem ein paar verdächtige Flecken aufgefallen. Die meisten stellten sich als reiner Dreck heraus, um den sich ein Mitarbeiter dann geduldig mit Tuch und Reinigungsmittel gekümmert hat. Eine hartnäckigere Stelle ist anschließend noch mit der Poliermaschine angegangen worden. Am Ende war der Lack wieder sauber, also kein wirkliches Drama.

Erste Fahreindrücke

Das Fahrwerk ist deutlich bequemer, als ich erwartet hatte. Bei der Probefahrt in Erfurt war ich noch das Performance Model gefahren, dessen Fahrwerk sich spürbar straffer angefühlt hat. Das LR RWD ist klar softer abgestimmt. Bis ungefähr 160 km/h fühlt sich der Wagen satt und ruhig an, darüber wird es allerdings spürbar unruhiger. Nicht gefährlich, aber eben auch nicht das souveräne Gefühl, das man sich auf der Autobahn wünscht.

Der Spurhalteassistent hat eine Eigenheit, die ich nicht so richtig verstehe. Nach einem Spurwechsel bleibt er aus und muss manuell wieder aktiviert werden. In dieser Klasse und bei diesem Software-Anspruch erwarte ich eigentlich, dass er nach dem Manöver automatisch wieder eingreift.

Im TFF Forum berichten viele Fahrer von leichten bis deutlichen Vibrationen am Lenkrad, die ab etwa 130 km/h auftreten, manchmal auch schon darunter. Genau darauf habe ich auf der Rückfahrt natürlich geachtet. Bei mir sind die Vibrationen ganz leicht zu spüren, wirklich nur in homöopathischer Dosis. Ohne den Forum-Thread im Hinterkopf wäre mir das vermutlich gar nicht aufgefallen.

Womit ich am wenigsten gerechnet hatte: Ich ärgere mich überhaupt nicht mehr, statt des LR AWD nur den LR RWD genommen zu haben. Die Beschleunigung ist komplett verrückt und die Anlage richtig gut. Beides Punkte, an denen ich vor der Bestellung tatsächlich gezweifelt hatte.

Fazit

Mit dem Auto selbst bin ich sehr zufrieden, da kann ich nach den ersten Tagen wenig meckern. Gemischter fällt mein Eindruck rund um das Drumherum aus. Auf der einen Seite steht das TFF Forum, in dem die Community das wochenlange Warten erstaunlich kurzweilig gemacht hat. Auf der anderen Seite der offizielle Support, der bisher genau in die andere Richtung zieht. Für die fehlende Keycard habe ich inzwischen ein Ticket aufgemacht und warte immer noch auf eine Antwort. In der App ist die Sache zudem ziemlich verwirrend, weil dort plötzlich von einem Kostenvoranschlag die Rede ist und man einen Servicetermin buchen soll. Beides geht an meinem Problem komplett vorbei, denn am Ende soll mir Tesla einfach nur eine Karte zuschicken.